Sonea Sonnenschein

13 November 2017

Als wir vor achteinhalb Jahren Eltern unserer Tochter Sonea wurden und nach nur einem Tag aus unserer zarten Familienidylle gerissen wurden, schonungslos mit der knallharten Diagnose Down-Syndrom, brach für uns zunächst eine Welt zusammen. An jenem Tag startete aber auch ein spannendes Projekt: unser Inklusionsprojekt.

Ziemlich schnell berappelten wir uns und fanden uns in unserer neuen Welt zurecht.

Physiotherapie, Frühförderung und einige Arzttermine standen fortan in unserem Terminkalender, aber auch Babymassage, Schwimmen, Musikzwerge, Krabbelgruppen und all das, was man eben als hochmotivierte Mama mit seinem  Baby so macht.

Ich war zwar die mit dem behinderten Kind, wurde aber nie so behandelt. Trotzdem war das nicht immer leicht. Ziemlich bald wurde die Kluft zwischen den einzelnen Entwicklungsschritten unserer Kinder größer und piekste gewaltig. Während die anderen auf wackeligen Beinchen ihren stolzen Mamas in die Arme tapsten, hoffte ich immer noch darauf, dass mein Kind sich langsam mal von der Stelle robben würde.

Werde ich gefragt, was uns am meisten in der Anfangszeit nach Soneas Geburt und der Diagnose Down-Syndrom geholfen hat, empfehle ich die Bücher von Conny Wenk und den Kontakt mit anderen Familien. Nichts hilft besser, um sich der Angst und den Berührungsängsten davor zu stellen. Und nirgends begegnet man mehr Aufrichtigkeit und Herzlichkeit zugleich, wie im Kontakt mit einem Menschen, der das Down-Syndrom hat.

 

Ich könnte das nicht!

Den Satz habe ich oft gehört. Und auch wir konnten uns nie vorstellen wie es als Eltern eines behinderten Kindes sein würde, bevor wir es wurden. Aber das Leben wollte es so und wir wachsen jeden Tag mit dieser Aufgabe mehr.

Positive Begegnungen und Unterstützung erfahren wir zum Glück viel. Vorurteile und Berührungsängste begegnen uns aber natürlich auch immer wieder. Meist aus Mangel am inklusiven Denken und ganz viel Nichtwissen.

 

Kindergarten – inklusiv?

Diesen Mangel und die große Unwissenheit über Soneas Behinderung nahmen wir das erste Mal so richtig wahr, als wir auf die Kitasuche für unsere Tochter gingen. Und obwohl die Inklusion, also die gemeinsame Teilhabe, als Menschenrecht in der UN-Behindertenkonvention verankert ist, ist sie keine Selbstverständlichkeit, sondern doch vielmehr Glückssache.

Denn oft hörte ich “zu betreuungsintensiv” ohne dass sie meine Tochter auch nur gesehen hatten. Auch in einer Elterninitiative machten sich die anderen Eltern Sorgen, dass ihre nicht-behinderten Kinder zu kurz kommen könnten. Schade.  Nach langer Suche fanden wir dann doch noch den perfekten und inklusiven Kindergarten für uns, von dem wir genauso profitierten, wie alle anderen Kinder in Soneas Gruppe.

Stärkung der Sozialkompetenz

Als Mutter eines behinderten und eines nichtbehinderten Kindes kann ich sagen, dass Inklusion für alle gut ist. Meine Kinder wachsen beide ganz selbstverständlich mit dem Anderssein auf und lernen von klein auf, dass jeder Mensch seine Besonderheiten hat und die einen mehr und die anderen weniger selbständig sind. Studien belegen, dass der gemeinsame Unterricht nicht schadet und sogar teilweise bessere Lernergebnisse erzielt werden. Außerdem fördert das gemeinsame Lernen die Sozialkompetenz eines jeden einzelnen Kindes. Das Gruppengefühl wird gestärkt und das Bewusstsein für Ungerechtigkeiten geschärft.

 

Förderschule?

Sonea hat das Down-Syndrom und doch waren wir uns damals sicher, dass sie es trotz Ihrer geistigen Behinderung an einer Regelschule schaffen könnte. Und vor allem, dass wir nichts unversucht lassen wollten, sie diese Erfahrung machen zu lassen.

Unser Entschluss traf nicht unbedingt durchgehend auf zustimmende Begeisterung und auch heute begegnen wir häufig der starren Meinung, dass ein Kind mit Down-Syndrom an einer Förderschule besser aufgehoben sei. Damals zweifelte ich oft an unserer Entscheidung aufgrund der Meinung anderer Menschen. Heute weiß ich, dass sie genau richtig war und ist. Ich denke, dass Sonea in ihrer Lese- und Rechtschreibkompetenz nicht an dem Punkt stehen würde, an dem sie heute steht. Die Selbstkompetenz wird an inklusiven Schulen ganz anders gefördert und Studien belegen, dass Kinder mit Förderbedarf im inklusiven Unterricht mehr und erfolgreicher lernen.

Die Förderschule schließe ich bis heute gedanklich nicht aus. Sie war immer unser Plan B und hat durchaus eine Daseinsberechtigung. Für manche Kinder ist dieser Schonraum, den eine Förderschule bietet, durchaus wichtig und sinnvoll.

Als Gegenargument gegen die Inklusion höre ich immer wieder den Kostenfaktor und das fehlende oder nicht entsprechend ausgebildete Personal. Für mich beginnt Inklusion aber viel eher, nämlich mit der Bereitschaft es überhaupt zu versuchen. Und ich bin unendlich froh darüber, dass wir an eine sehr engagierte Schule geraten sind.

So und nicht anders

Aktuell können wir aber sagen, dass wir den inklusiven Weg jederzeit wieder gehen würden und auch wenn er manchmal ein wenig steinig und bürokratisch ist, lohnt er sich. Sonea hat in den vergangenen drei Jahren so viel mehr gelernt, als wir uns und ihre Lehrer sich erhofft haben. Wir hatten nie die Hoffnung, dass Sonea genau so wie die anderen Kinder lernen würde. Aber wir haben gehofft, dass dieser inklusive Ort ihr die Möglichkeiten bietet, ihr Potential voll zu entfalten. Und das tut sie. Sonea blüht regelrecht auf und geht sehr gerne in die Schule. Der inklusive Weg ist nicht überfordernd, wie uns viele prophezeit haben, sondern viel mehr herausfordernd und voller spannender Abenteuer.

Und weil man für steinige Wege natürlich auch gutes Schuhwerk braucht, begleiten uns in dieser Herbst/Winter-Saison wieder die tollen Schuhe von Naturino. Für den Herbst hat Sonea sich die wunderschönen silbernen Lederstiefel ausgesucht. Sie sind sehr robust und haben eine tolle Laufsohle. Und immer wieder begeistert bin ich von dem tollen Fußbett. Durch den seitlichen Reißverschluss kann Sonea ihre Stiefel gut selbständig anziehen.

 

Katharina

www.sonea-sonnenschein.de